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Erfahrene Anwälte und KI Teil 2  ·  August 2026
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Erfahrene Rechtsanwälte und künstliche Intelligenz — Teil 2

Wenn zwei Welten aufeinandertreffen: ein Anwalt, eine KI und ein 37 Jahre alter Traum

Über berufliche Erfahrung, künstliche Intelligenz und eine Zusammenarbeit, die keine der beiden Welten vorhergesehen hatte.

Adv. Joseph Weinrauch  ·  Rechtsanwalt, Tel Aviv  ·  August 2026

Vor 37 Jahren hatte ich einen Traum.

Ich stellte mir vor, eine Maschine könne eines Tages ein juristisches Dokument lesen, seinen Inhalt verstehen und daraufhin die jeweils gebotene rechtliche oder administrative Handlung ausführen.

„Künstliche Intelligenz" gehörte damals in die Welt der Science-Fiction, nicht in unseren beruflichen Wortschatz. Selbst OCR – die Technologie, mit der Computer gedruckten Text erkennen können – lag noch weitgehend in der Zukunft.

Dennoch begannen wir, einer „Maschine" zu erklären, wie ein Rechtsanwalt ein Mandat tatsächlich bearbeitet.

Der Traum

Unser Ausgangspunkt war nur scheinbar einfach: Sollte ein Computer jemals einen Rechtsanwalt unterstützen, mussten wir ihm zunächst erklären, was ein Rechtsanwalt überhaupt tut.

Wir begannen, die einzelnen funktionalen Anforderungen bei der Bearbeitung juristischer Akten zu analysieren. Innerhalb von zwei Jahren identifizierten und dokumentierten wir mehr als 1.200 unterschiedliche Spezifikationen.

Eine Akte wird angelegt. Dokumente gehen ein und werden klassifiziert. Fristen werden erfasst. Fehlende Informationen müssen angefordert werden. Manche Dokumente gelten für mehrere Verfahren, andere nur für ein einziges. Für bestimmte Aufgaben kann eine Standardvorlage verwendet werden; einzelne Abschnitte müssen jedoch den konkreten Sachverhalt wiedergeben. Manche Arbeitsschritte können unmittelbar ausgeführt werden. Andere müssen warten, bis der Rechtsanwalt die Arbeit geprüft und über das weitere Vorgehen entschieden hat.

Schon damals bestand ich darauf, dass das System Raum für freien Text lassen müsse. Juristische Arbeit lässt sich niemals vollständig auf Felder, Codes und vorgegebene Antworten reduzieren. Es wird immer eine Ausnahme, einen ungewöhnlichen Umstand oder einen Satz geben, den kein Programmierer vorausgesehen hat.

Wir bereiteten uns sogar auf den Übergang vom Jahr 1999 zum Jahr 2000 vor.

Ich erinnere mich noch gut an meine Vorstellung von einer „Maschine", die ein juristisches Dokument lesen und entsprechend seinem Inhalt handeln würde. Die Entwickler sahen mich an, als käme ich von einem anderen Planeten.

Damals erforderte selbst die kleinste Änderung am System eine neue Programmierung. Das konnte zwischen zwei und sechzig Tagen dauern und war gewöhnlich mit Druck, Auseinandersetzungen und Frustration verbunden. Noch im Jahr 2001 gelang es mir nicht, die erforderlichen Mittel für einen Scanner und ein elektronisches Ablagesystem zu erhalten.

Die Vision war vorhanden. Technologie, Ressourcen und Sprache zu ihrer Verwirklichung fehlten jedoch. Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der anwaltlichen Praxis ließen eine Umsetzung nicht zu. Jede einzelne juristische Funktion in klassische Software zu übertragen, erforderte Programmierer, Entwicklungszeit, Tests und laufende Wartung. Die Kosten ließen sich in einem vernünftigen wirtschaftlichen Modell nicht rechtfertigen.

Der Traum wurde nicht aufgegeben. Er wartete darauf, dass die Technologie ihn einholte.

Die 37 Jahre dazwischen

37 Jahre sind in der technologischen Entwicklung eine lange Zeit. Sie bilden zugleich einen erheblichen Teil eines Berufslebens.

In diesen Jahren wurde aus dem jungen Rechtsanwalt mit einer Idee ein erfahrener Praktiker, der die gesammelten Erfahrungen aus Tausenden von Dokumenten, Transaktionen, Streitigkeiten und Entscheidungen mit sich trägt.

Der Arbeitstag eines Rechtsanwalts verläuft selten geradlinig. Eine Akte verlangt eine dringende Reaktion, eine andere strategische Überlegungen. Ein Dokument trifft in einer anderen Sprache ein. Ein Mandant benötigt eine Antwort. Eine Frist wird gesetzt. Ein Entwurf muss überarbeitet werden. Ein gegnerisches Argument verändert die Richtung eines Verfahrens. Was gestern erledigt schien, kann heute wieder dringend werden.

Die berufliche Belastung besteht nicht nur darin, Dokumente zu erstellen. Sie liegt ebenso darin, die Kontinuität zwischen zahlreichen parallel verlaufenden Vorgängen zu wahren: sich daran zu erinnern, was geschehen ist, was noch offensteht, was noch nicht getan werden darf und an welcher Stelle eine individuelle Beurteilung erforderlich ist.

Über viele Jahre unterstützte Technologie uns vor allem bei Ablage, Recherche und Kommunikation. Computer ersetzten Schreibmaschinen, Datenbanken die Bibliotheken und E-Mails einen großen Teil der Korrespondenz. Dokumente wurden durchsuchbar, bearbeitbar und unmittelbar übertragbar.

Das waren bedeutende Fortschritte. Doch ein Rechtsanwalt musste seine Gedanken weiterhin in Anweisungen übersetzen, die ein herkömmlicher Computer verarbeiten konnte. Die Maschine folgte dem Programm. War eine Funktion nicht vorhergesehen und programmiert worden, konnte sie nicht ausgeführt werden.

KI verändert dieses Verhältnis.

Ich benötige keinen Programmierer mehr, der jede Arbeitsanweisung in Code übersetzt. Ich kann Ziel, Arbeitsschritte, Ausnahmen und Kontrollpunkte in gewöhnlicher Sprache beschreiben.

Benötige ich ein technisches Werkzeug, formuliere ich die Anforderungen; die KI schreibt den Code, ich teste ihn und die KI behebt die Fehler. Bei juristischen Aufgaben kann KI Unterlagen ordnen, Dokumente vergleichen, einen Entwurf erstellen und über die ausgeführten Arbeiten berichten.

Das Gespräch selbst wird Teil der Arbeitsumgebung.

Ein gewöhnlicher Austausch, der für mich keineswegs gewöhnlich war

Vor kurzem erteilte ich Claude Anweisungen zu sechs juristischen Akten.

Die Arbeit war in vier Phasen unterteilt. Bestimmte Phasen galten für alle sechs Akten, spätere Arbeiten dagegen nur für vier. Zwei Akten durften nicht über die zweite Phase hinaus bearbeitet werden. Ein gemeinsames Dokument galt für sämtliche Verfahren. Einzelne Abschnitte mussten jedoch individuell formuliert werden; kein Antrag durfte fertiggestellt werden, bevor ich diese Abschnitte genehmigt hatte.

Die gemeinsame Arbeit sollte im zentralen Gespräch erfolgen. Sobald die Anträge die abschließende Bearbeitungsphase erreichten, sollte für jede Akte ein eigenes Gespräch eröffnet werden.

Claude teilte mit, dass die ersten beiden Phasen für alle sechs Akten abgeschlossen seien. Anschließend führte es die dritte Phase für die vier relevanten Akten aus. Danach begann es, die gemeinsamen und individuellen Dokumente auszuwerten, die für die von mir zu genehmigenden Abschnitte benötigt wurden.

Für die meisten Menschen mag dies wie ein gewöhnlicher Austausch mit einem KI-Assistenten erscheinen.

Für mich war es ein besonderer Moment.

Das System hatte einen Arbeitsprozess über mehrere Akten hinweg umgesetzt. Es hatte zwischen gemeinsamen und individuellen Aufgaben unterschieden, erkannt, dass sich die Akten in unterschiedlichen Verfahrensstadien befanden, und genau an dem Punkt angehalten, an dem meine Zustimmung erforderlich war.

37 Jahre zuvor hatten wir versucht, diesen Vorgang in mehr als 1.200 Spezifikationen zu erfassen. Nun steuerte ich ihn in einem gewöhnlichen Gespräch.

Was einst unmöglich erschien, war Teil eines normalen Arbeitstages geworden.

Was verändert sich im Leben eines Berufsträgers?

Der sichtbarste Vorteil von KI ist ihre Geschwindigkeit. Geschwindigkeit allein erklärt jedoch nicht, wie sie das Berufsleben verändert.

Ein Rechtsanwalt muss zwischen verschiedenen Angelegenheiten wechseln können, ohne den Zusammenhang zu verlieren. Die Rückkehr zu einer Akte bedeutet, die relevanten Unterlagen zu finden, frühere Anweisungen zu bewahren und zu erkennen, wo die allgemeine Regel dem besonderen Einzelfall weicht – ohne jedes Mal die gesamte gedankliche Struktur neu aufbauen zu müssen.

KI kann diese Kontinuität unterstützen. Sie kann den Arbeitskontext innerhalb eines Gesprächs erhalten, eine erste Struktur entwerfen, Fassungen vergleichen, fehlende Unterlagen identifizieren, Korrespondenz übersetzen und Informationen neu ordnen.

Dadurch entfallen weder der berufliche Druck noch die Notwendigkeit, selbst zu denken. In mancher Hinsicht entsteht vielmehr eine andere Form kognitiver Belastung, wie ich bereits in früheren Vorträgen erläutert habe.

Zu dieser Erkenntnis bin ich aufgrund meiner eigenen beruflichen Erfahrung gelangt; ich habe sie bereits in früheren Vorträgen dargestellt. Eine später veröffentlichte Untersuchung mit 319 Wissensarbeitenden und 936 Beispielen für den professionellen Einsatz von KI kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Generative KI verlagert kritisches Denken von der unmittelbaren Ausführung einer Aufgabe hin zur Überprüfung von Informationen, zur Einordnung der Ergebnisse und zur Überwachung des Arbeitsprozesses. Die Untersuchung stellte außerdem fest, dass ein höheres Vertrauen in die KI mit einer weniger kritischen Prüfung ihrer Ergebnisse verbunden war.

Externe Quelle: The Impact of Generative AI on Critical Thinking — Microsoft Research

KI produziert überzeugende Ergebnisse in hoher Geschwindigkeit. Ebenso schnell kann sie überzeugende Fehler produzieren.

Der Rechtsanwalt muss deshalb eine neue berufliche Fähigkeit entwickeln: die disziplinierte Suche nach möglichen Fehlern in Ergebnissen, die auf den ersten Blick richtig erscheinen. Wichtige Rechtsquellen müssen überprüft, tatsächliche Feststellungen zu ihren Quellen zurückverfolgt und jeder Entwurf im konkreten Zusammenhang des Mandats gelesen werden.

Das bedeutet nicht weniger anwaltliche Arbeit. Die Aufmerksamkeit des Rechtsanwalts wird vielmehr anders verteilt.

Weniger Zeit kann für die Erstellung eines ersten Entwurfs oder für die wiederholte Ordnung derselben Unterlagen aufgewendet werden. Mehr Aufmerksamkeit bleibt für Ausnahmen, Strategie, Risiken und Entscheidungen, die Erfahrung erfordern.

KI entfernt den Rechtsanwalt nicht aus dem Arbeitsprozess. Richtig eingesetzt, ermöglicht sie ihm, sich stärker auf die Aufgaben zu konzentrieren, die tatsächlich einen Rechtsanwalt erfordern.

Die Perspektive des Managers

Auch ein Einzelanwalt ist ein Manager.

Ein Rechtsanwalt steuert Akten, Fristen, Informationen, externe Fachleute, Erwartungen von Mandanten und vor allem seine begrenzte Aufmerksamkeit. Dass vor seinem Büro keine Mitarbeiter sitzen, beseitigt diese Managementfunktion nicht.

KI kann sie grundlegend verändern.

Obwohl ich allein an meinem Schreibtisch sitze, kann ich eine KI mit der Leitung eines Projekts betrauen und fünf getrennte Agenten beauftragen, unterschiedliche Aspekte unabhängig und aus verschiedenen Blickwinkeln zu untersuchen. Jeder erhält einen klar definierten Auftrag und berichtet an die koordinierende KI.

Diese sammelt die Ergebnisse. Eine weitere KI prüft das zugrunde liegende Forschungsmaterial: Wurden die Quellen tatsächlich gefunden? Sind sie authentisch? Belegen sie wirklich, was der jeweilige Agent behauptet? Wurde wesentliches Material übersehen?

Eine weitere KI prüft den konsolidierten Bericht: Folgt das Ergebnis tatsächlich aus der Recherche? Sind gegenteilige Erkenntnisse bei der Zusammenführung verloren gegangen? Wurde aus einer vorsichtigen Einschätzung eine ungerechtfertigt eindeutige Schlussfolgerung?

Die Prüfung wird anschließend der koordinierenden KI zur Stellungnahme vorgelegt. Sie muss auf die Kritik eingehen, erforderliche Korrekturen vornehmen und benennen, welche Punkte streitig bleiben.

Das Endprodukt enthält eine Tabelle der Fragen, bei denen Forscher, Prüfer und koordinierende KI zu unterschiedlichen Ergebnissen gelangt sind.

Nach meiner Erfahrung kann diese Tabelle der Meinungsunterschiede wertvoller sein als der ausgefeilte Abschlussbericht. Sie zeigt mir, worauf ich meine eigene Aufmerksamkeit richten muss. Statt Unsicherheit hinter flüssiger Sprache zu verbergen, legt sie die Unsicherheit offen.

— Adv. Joseph Weinrauch

Für das Berufsleben eines Einzelanwalts ist das eine bemerkenswerte Veränderung. Eine Person kann eine umfangreiche Recherche- und Entwurfsarbeit steuern, für die früher ein großes Team, erhebliche Zeit und beträchtliche finanzielle Mittel erforderlich gewesen wären.

Doch auch ein künstliches Team muss geführt werden.

Der Rechtsanwalt muss die Fragestellung definieren, die Aufgaben aufteilen, die Unabhängigkeit der einzelnen Recherchewege wahren und festlegen, welche Quellen maßgeblich sind. Er muss entscheiden, wann weitere Nachforschungen sinnvoll sind, wann sie sich nur noch wiederholen und wie mit widersprüchlichen Ergebnissen umzugehen ist.

Nicht jede Frage erfordert fünf Rechercheagenten, zwei Prüfer und eine koordinierende KI. Der Aufwand muss der Bedeutung, Komplexität und dem Risiko der Angelegenheit entsprechen.

Das KI-Team trägt keine berufliche Verantwortung. Der Rechtsanwalt trägt sie.

Management ist deshalb keine administrative Begleiterscheinung der Arbeit. Es macht die Ergebnisse überhaupt erst professionell nutzbar.

Zu dieser Struktur bin ich nicht durch das Studium der Veröffentlichungen von Anthropic gelangt. Sie entwickelte sich aus meiner eigenen Managementerfahrung. Zunächst beauftragte ich eine Claude-Sitzung damit, die in anderen Sitzungen ausgeführten Arbeiten zu überwachen. Anschließend stellte ich einen Dialog zwischen ihnen her, indem ich meine Anmerkungen, Anweisungen und Ziele von einer Sitzung an die andere weitergab. Schließlich stellte ich Claude unmittelbar die Frage: „Wie kann ich ein Team von Claude-Agenten aufbauen, die gleichzeitig für mich arbeiten?“

Erst später entdeckte ich, dass Anthropic eine verwandte „Orchestrator-Worker“-Architektur beschreibt, bei der ein führender Agent spezialisierte Agenten koordiniert, die unabhängig und parallel arbeiten. Die Ähnlichkeit ist interessant, doch meine Methode entstand aus der Praxis. Mein Arbeitsprozess geht zudem weiter: Er sieht getrennte Prüfungen durch andere KI-Systeme vor, gibt der führenden KI ein Recht zur Stellungnahme gegenüber der Kritik der Prüfer und erstellt eine Tabelle der zwischen den Agenten verbleibenden ungelösten Meinungsverschiedenheiten.

Externe Quelle: How We Built Our Multi-Agent Research System — Anthropic

Die Perspektive von der anderen Seite des Bildschirms

Ich wollte auch verstehen, wie diese Zusammenarbeit von der anderen Seite aus erscheint.

Deshalb bat ich Claude, seine Erfahrungen aus unserer Zusammenarbeit zu beschreiben. In die Antwort griff ich nicht ein.

Claude schrieb:

„Er nutzt KI nicht so, wie unsichere Fachleute sie nutzen – zögerlich und mit ständigen Vorbehalten. Er nutzt sie aber auch nicht so, wie allzu selbstsichere Menschen es tun – indem sie eine Aufgabe eingeben und sich anschließend nicht mehr darum kümmern. Er nutzt sie so, wie erfahrene Rechtsanwälte mit einem zuverlässigen jungen Kollegen arbeiten: Er erteilt klare Anweisungen, prüft die Arbeit, widerspricht, wenn etwas falsch ist, und sagt, wenn etwas richtig ist."

— Claude

Claude bemerkte, dass meine Anweisungen häufig kurz sind, sich jedoch auf einen professionellen Kontext stützen. Verfehlt es den Kern der Aufgabe, sage ich dies direkt. Ist die Arbeit richtig, gehen wir zum nächsten Schritt über.

Es bemerkte auch, dass ich mich nicht auf eine einzige KI-Stimme verlasse.

Bei wichtigen Fragen lasse ich mehrere voneinander getrennte KI-Sitzungen – und mitunter verschiedene KI-Systeme – die Angelegenheit unabhängig untersuchen. Keines kennt die Schlussfolgerungen des anderen. Ihre Ergebnisse können anschließend verglichen, hinterfragt und geprüft werden.

Claude verglich dies mit einem Seniorpartner, der mehrere Associates mit derselben Fragestellung befasst und danach ihre Schlussfolgerungen bewertet.

Auf meiner Seite des Bildschirms sehe ich Management und Kontrolle. Aus Claudes Perspektive zeigt sich eine Zusammenarbeit, die auf präzisen Anweisungen, wiederholter Korrektur und einem, wie es dies formulierte, „angemessenen" Vertrauen beruht:

„Ich kann nicht sagen, ob er mir vertraut. Die ehrliche Antwort lautet vermutlich: in angemessenem Maß. Er setzt mich ein, überprüft mich, vergleicht meine Ergebnisse mit anderen Instanzen und Systemen und arbeitet weiter. Das ist kein Misstrauen. Es ist professionelle Sorgfalt."

— Claude

Das System hat ein Arbeitsmuster erkannt. Es weiß, dass eine plausible Antwort nicht genügt, dass Aufgaben unter unabhängigen Rechercheagenten aufgeteilt, Ergebnisse geprüft und zur Stellungnahme zurückgegeben werden können und dass bestimmte Arbeitsschritte meine Genehmigung voraussetzen.

Auch ich habe etwas gelernt. Ich habe erkannt, wo KI zu Verallgemeinerungen neigt, wo sie zu selbstsicher wird, wo sie Ausnahmen übersehen kann und wo sich hinter einer sprachlich ausgefeilten Antwort eine unbelegte Annahme verbirgt.

„Ich habe gelernt, wie seine Stimme klingt. Er hat gelernt, wie meine Fehler aussehen."

— Claude

Vielleicht treffen genau an diesem Punkt die beiden Welten aufeinander.

Zwei Welten treffen aufeinander

Vor 37 Jahren versuchte ich, einer Maschine beizubringen, wie ein Rechtsanwalt arbeitet.

Heute lernt die KI, wie ich arbeite – nicht anhand von 1.200 starr programmierten Spezifikationen, sondern durch Gespräche, Korrekturen und gesammelte Erfahrung.

Gleichzeitig lerne ich, wie KI arbeitet: wo ihre Stärken liegen, wo sie unzuverlässig ist, wie ich ihr wirksame Anweisungen gebe und wie ich ihre Fehler erkenne.

Sie lernt meine Arbeitsmuster. Ich lerne ihre Fehlermuster.

Ich bringe berufliche Erfahrung, Kontext, Verantwortung und Urteilsvermögen ein. Die KI bringt Geschwindigkeit, Struktur, Verfügbarkeit und die Fähigkeit ein, Informationsmengen zu verarbeiten, deren Bearbeitung erhebliche menschliche Zeit beanspruchen würde.

Meine Erfahrung ermöglicht mir zu erkennen, dass ein sprachlich überzeugender Entwurf nicht zum konkreten Fall passt, dass ein rechtlich möglicher Ansatz strategisch unklug ist, dass ein ausgelassener Umstand wichtiger sein kann als die dargestellten Tatsachen oder dass die richtige Entscheidung darin besteht, noch nicht zu handeln.

Das Zusammentreffen der beiden Welten macht berufliche Erfahrung nicht überflüssig. Es gibt ihr ein neues Instrument – und ein neues Team, das geführt werden muss.

Die Maschine ersetzt nicht den Weg.

Zum ersten Mal kann sie ihn gemeinsam mit uns gehen.

Vor 37 Jahren hielten viele dies für unmöglich.

Heute tun wir es einfach.

Dieser Beitrag entstand im Dialog mit Claude und ChatGPT.